Vita - Art Denise Steger
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Vita

Denise Steger

Lange bevor ich zur Schule ging, durfte ich in der benachbarten Buchhandlung allein Papier  kaufen. Meine Eltern gaben mir dafür einen Pfennig – den kostete ein Blatt Papier. Ich ging jeden Tag und bekam jeden Tag einen Pfennig. Mit dem Blatt musste ich sehr sparsam umgehen. Ich bemalte Vorder- und Rückseite. Bei Wasserfarben musste ich darauf achten, dass eine Seite erst getrocknet war, bevor ich sie umdrehen und weitermalen konnte. Am liebsten malte ich mit Braun und Schwarz. Meine Bilder seien gar nicht schön, bekam ich gesagt, warum ich denn immer mit Braun und Schwarz malen würde. Das war eben so.

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Wenn das Papier nicht ausreichte, gab es noch die hölzerne Küchenbank, in der ich Figuren und Formen einritzen durfte. Mit der Zeit hatte sich dort eine ganze Welt versammelt, aber es gab immer noch Platz für einen Stern, einen Hund oder eine Katze oder was ich als solche bezeichnete.

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Und dann arrangierte ich lange Prozessionen, alle nur beweglichen Gegenstände wurden der Größe nach durch das Zimmer und die ganze Wohnung aufgereiht, vom großen Stuhl über all mein Spielzeug bis zur kleinen Stecknadel.

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Einmal fragte ich, wie man denn in ein Bild „hineinmalen“ kann und mein Vater erklärte mir, was Perspektive ist. Meine Kindergärtnerin, Tante Louise, räumte mir einen Platz abseits des Spielgetümmels ein, an dem ich in Ruhe malen konnte. Ich malte immer lange Häuserreihen mit Straßen und Bäumen, die zum Horizont hin kleiner wurden.

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Zu Hause gab es ein Buch mit berühmten Gemälden aus den großen Museen. Am besten gefielen mir die Bilder von Franz Marc und August Macke. Ich begeisterte mich für die kräftigen Farben, die in Formen geschlossen waren, fuhr sie mit dem Finger nach, dann malte ich sie nach, mit meinen ersten Ölfarben, mit denen ich viel besser zurecht kam als mit dem schwimmenden verlaufenden Wasser.

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Als ich elf Jahre alt war, durfte ich mit meinen Eltern nach Paris fahren. Ich sah viele Bilder – sie wurden Teil meines Lebens.

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Der andere Teil wurde vom Tanz bestimmt und je mehr ich tanzte, desto mehr malte ich, um beiden gerecht werden zu können – Tanz und Malerei wurden für mich wie Tag und Nacht, wie Bewegung und Ruhe.

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Später kam der Wunsch hinzu, zu wissen; ich begann zu studieren und zu forschen – und ich kam in Konflikt mit der Zeit – deshalb erklärte ich die Zeit für aufgehoben. Mein zeitloser Zustand schafft mir Freiheit… Denn alles ist gleichzeitig.

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